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Das geheimnisvolle Christkind und seine Tücken

Eltern, Gotti, Götti, Tanten und Onkel, welche aktuell im Auftrag des Christkindli tätig sind, aufgepasst!

Wer ein Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnis verrät, das er infolge einer vertraglichen Pflicht bewahren sollte, wird auf Antrag bestraft. So steht es im Strafgesetzbuch. Das wohlgehütete Geheimnis über das Christkind sollte daher nicht leichtfertig gelüftet werden.

Unter Geheimnis fallen Tatsachen, die weder offenkundig noch allgemein zugänglich sind und an deren Geheimhaltung der sog. Geheimnisherr (hier: das Christkind) ein berechtigtes Interesse hat. Mitwisser, z.B. der grosse Bruder, schliessen die Existenz eines Geheimnisses nicht aus.

Damit es zu einer Verurteilung kommt, muss der Täter (hier primär: Eltern, Gotti, Götti, Tante oder Onkel) um den geheimen Charakter der Tatsache wissen. Und der Täter muss den Verrat begehen im Bewusstsein um seine Verpflichtung, das Geheimnis zu bewahren. Es kommt somit auf den Geheimhaltungswillen des Geheimnisherrn an. Fraglich ist, ob dieser Wille ausdrücklich erklärt werden muss. Nein, findet das Bundesgericht, und lässt auch die stillschweigende Forderung des Geheimnisherrn genügen. Das Christkind muss somit nicht explizit Geheimhaltung einfordern.

Als Geschäftsgeheimnisse gelten Tatsachen, die den Bereich des Vertriebs und die Vermögenslage eines Unternehmens betreffen, dazu zählen z.B. Kundenlisten, Einkaufs- und Bezugsquellen, Preiskalkulationen etc.

Verrat wird juristisch definiert als die pflichtwidrige Offenbarung von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen gegenüber Personen, die von der Kenntnis ausgeschlossen bleiben sollen. Wer entgegen der Abmachung dem (Gotten-)Kind zu viel über das Christkind ausplaudert, sollte daher frühzeitig juristische Unterstützung beiziehen.

Bisweilen sind auch die Geschwister in den Verrat involviert. Diesbezüglich muss man unterscheiden zwischen der straflosen notwendigen Teilnahme sowie der strafbaren Anstiftung und Gehilfenschaft. Der Bruder bleibt solange straflos, als er lediglich das Geheimnis entgegennimmt.

Übrigens gibt es auch im Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eine eigenständige Bestimmung: Unlauter handelt, wer Hilfspersonen zur Auskundschaftung von Fabrikations- und Geschäftsgeheimnissen verleitet. Eine Auskundschaftung liegt vor, wenn eine Person versucht, einem Geheimnis auf die Spur zu kommen, in welches sie aufgrund ihrer Stellung im Betrieb (hier: die Familie) keinen Einblick hat.

Die Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses nach Art. 162 StGB wird nur auf Antrag bestraft. Das Christkind scheint sich diesbezüglich bisher zurückgehalten zu haben. Jedenfalls sind uns keine Fälle bekannt, welche zur Anzeige gebracht wurden.

Glaus Gabathuler wünscht allen, die für das Christkind tätig sind, ein glückliches Händchen mit den Geheimnissen und allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten.

 

Von MLaw et lic. oec. Nathalie Glaus, publiziert in der Linth Zeitung und im Sarganserländer