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Konkubinat: Grosse Freiheit oder Stolperstein?

Wenn ein Paar zusammenlebt, ohne eine Ehe eingegangen zu sein, lebt es in einem Konkubinat. Diese Lebensform ist im Gesetz, im Gegensatz zur Ehe, nicht geregelt und bietet deshalb gewisse Freiheiten. Zu beachten gilt es aber, dass Konkubinatspartner auch nicht die gleichen Rechte und Pflichten haben, wie in einer Ehe.

Nachfolgend werden einige wichtige Aspekte (nicht abschliessend) herausgepickt, die es unbedingt zu beachten gilt: Die Konkubinatspartner bleiben komplett eigenständig (z.B. getrenntes Güterrecht und getrennte Steuererklärung). Dementsprechend ist es bei einem Konkubinat auch nicht möglich, den Namen des Lebenspartners anzunehmen.

Von Gesetzes wegen haben Konkubinatspartner auch keinen Anspruch auf Hilfe durch ihren Partner. Wenn eine Konkubinatspartnerin oder -Partner für Kindererziehung oder Haushaltsführung ihr Arbeitspensum reduziert hat, besteht bei der Trennung kein Anspruch auf Unterhaltsbeiträge des voll Berufstätigen. Nur die gemeinsamen Kinder haben Anspruch auf Kindesunterhalt.

Bei einer Ehe werden bei einer Scheidung sowohl die AHV-Beiträge als auch die Pensionskassenguthaben, die während der Ehe angespart wurden, geteilt. Bei einer Trennung im Konkubinat bestehen in dieser Hinsicht keine Ansprüche. Es bestehen gegenüber der AHV beim Versterben des Lebenspartners auch keine Ansprüche auf Hinterlassenenleistungen. Gegenüber der Pensionskasse hingegen sind je nach Ausgestaltung Leistungen in Form einer Lebenspartnerrente möglich. Im Falle einer Pensionierung profitieren Konkubinatspartner jedoch davon, dass sie je eine 100% AHV-Rente erhalten und keine Plafonierung wie bei Ehegatten von gesamthaft 150% besteht.

Ein weiterer Stolperstein stellt das Erbrecht dar. Beim Tod eines Konkubinatspartners gehört der jeweilige Partner nicht zu den gesetzlichen Erben. Möchte man dies ändern, ist dies nur im Rahmen eines Konkubinats-/Erbvertrags oder Testaments möglich. Aber aufgepasst: Testamente sind jederzeit widerrufbar.

Grundsätzlich lohnt es sich einige Dinge mit fachkundiger Hilfe (wie z.B. Inventarliste, Aufteilung der Haushaltskosten, Unterhalt der Kinder, etc.) in einem Konkubinatsvertrag zu regeln, sich bei Bedarf gegenseitig Vollmachten (gegenüber von Banken, Ärzten, etc.) zu erteilen und allenfalls einen Vorsorgeauftrag aufzusetzen für den Fall der Vertretungsvollmacht bei Urteilsunfähigkeit. Andernfalls stehen Konkubinatspartner vor verschlossenen Türen und erhalten keine Auskunft und sind unter Umständen nur noch beschränkt handlungsfähig.

 

Von MLaw Marcel Kaufmann, publiziert im Sarganserländer, in der Linth Zeitung und im Werdenberger&Obertoggenburger