Medienbegriff im Wandel

Letzte Aktualisierung: Juni 2018

Der Medien-Begriff ist einem ständigen Wandel unterworfen. Waren einst Medien und Medienschaffende als organisierte Unternehmen und Unternehmens-Zugehörige definiert, ist heute der Begriff viel weiter zu fassen. Es ist ein Demokratisierungsprozess sondergleichen im Gang. Jede und jeder ist Medienschaffende(r), jede und jeder kann mit wenig Aufwand Medienunternehmen sein.

Auch das Berufsbild des professionellen Medienschaffenden ändert sich: “Zusammenbringen was zusammengehört” – “Kuratieren, kollaborieren, vernetzen” – mit diesen Schlagworten bezeichnet EDITO-KLARTEXT 06/2011 die durch das Internet beförderten Umbrüche in der Medienlandschaft, dies am Beispiel des Online-Dienstes Storify: “Storify dockt an die wichtigsten Social-Media-Kanäle an und will eine narrative orientierte Schnittstelle für sie sein. Idee: Aus Netzzitaten verschiedener Kanäle wird eine Geschichte gezimmert. Der Nutzer durchsucht die sozialen Medien nach Bausteinen für seine Story” (Jan Rothenberger). Voilà.

 Zur Vertiefung vgl. auch: www.netzwertig.com, Politisch überschätzte Social Media? (Mediensymposium); Bericht des Bundesrates zu Socialmedia

Medienschaffende sind Wiederkäuer: Die Problematik ist nicht neu, spitzt sich aber dramatisch zu: Texte, gesprochene wie geschriebene, sind in den seltensten Fällen das einmalige Produkt einer originären Texterzeugung, sondern im Normalfall das Resultat vielstufiger Umwandlungen von Texten in immer neue Texte. Medien und Medienschaffende sind Wiederkäuer und zugleich Schalentiere, sie hinterlassen Spuren, Trittsiegel. Und diese werden “recycelt” von einer Vielzahl von weiteren Medienschaffenden.

Das “Perpetuum Mobile” ist zugleich ein “Perpetuum Disponibile”, eine Selbstbedienungswerkstatt ohnegleichen. Konstant bleiben nur zwei Elemente: Der es frisst, ist nicht identisch mit dem, der es zahlt. Die Inserenten zahlen, die Nutzer lesen. Konstant bleibt die beschränkt verfügbare Zeit der Konsumenten: der Tag hat 24 Stunden. Wer beachtet werden will, muss die Reize steigern. Deshalb ist der Journalismus – von Ausnahmen abgesehen - aggressiver geworden: Mit Schlagzeilen verkaufter Fastfood.

 Übrigens: Einträge auf Facebook sind nicht ohne Weiteres "privat" (vgl. Obergericht ZH, welche einen jungen Mann verurteilte, der seine Facebook-Freunde bedroht hatte, Tages-Anzeiger Online vom 26.11.2013).